Fundamentalanalyse
7. Juni 2026Leitzins
7. Juni 2026Was sind Marktzyklen?
Märkte durchlaufen regelmäßige Zyklen: Phasen des Aufschwungs, der Hochkonjunktur, des Abschwungs und der Rezession wechseln einander ab – nicht mit einem festen Taktschlag, aber mit erkennbarer Regelmäßigkeit. Diese Zyklen sind das Ergebnis zusammenwirkender wirtschaftlicher, psychologischer und geldpolitischer Kräfte: Zinspolitik der Zentralbanken, Verbraucher- und Unternehmensvertrauen, Kreditexpansion und -kontraktion, technologische Innovationsschübe und externe Schocks.
Die vier Phasen des Konjunkturzyklus
- Aufschwung (Recovery): Wirtschaft erholt sich vom Tief. Unternehmensgewinne steigen, Arbeitslosigkeit sinkt, Stimmung verbessert sich. Aktien performen typischerweise gut, insbesondere zyklische Branchen.
- Hochkonjunktur (Expansion): Volle Kapazitätsauslastung, hohe Gewinne, steigender Konsum. Inflation steigt; Zentralbanken beginnen, Zinsen zu erhöhen. Bewertungen steigen.
- Abschwung (Contraction): Steigende Zinsen bremsen Wirtschaft und Konsum. Unternehmensgewinne enttäuschen. Aktienkurse korrigieren. Defensive Branchen outperformen.
- Rezession (Trough): Wirtschaftsleistung schrumpft, Arbeitslosigkeit steigt. Zentralbanken senken Zinsen, um zu stimulieren. Anleihen und Gold performen oft gut. Boden für nächsten Aufschwung wird gelegt.
Welche Anlageklassen performen in welcher Phase?
Verschiedene Anlageklassen und Sektoren reagieren unterschiedlich auf Zyklusphasen. Zyklische Sektoren (Industrie, Konsum, Technologie) profitieren im Aufschwung; defensive Sektoren (Versorger, Gesundheit, Basiskonsumgüter) halten sich im Abschwung besser. Anleihen profitieren typischerweise in Rezessionsphasen (fallende Zinsen). Rohstoffe – besonders Energie und Metalle – steigen oft in der Hochkonjunktur.
Kann man Zyklen traden?
Theoretisch ja – in der Praxis ist die Timing-Problematik enorm. Niemand weiß mit Sicherheit, wo sich der Markt im Zyklus gerade befindet. Die Folge: Viele Versuche, Zyklen zu traden, führen zu Minderrenditen im Vergleich zu einer disziplinierten Buy-and-Hold-Strategie. Das Verständnis von Marktzyklen ist wertvolles Kontextwissen für die taktische Asset Allocation – kein zuverlässiges Market-Timing-Instrument.
Das Verständnis von Marktzyklen ist Bestandteil des HPM-Kapitalmarktausblicks. In unserem quartalsweisen Kapitalmarktbericht analysieren wir, in welcher Phase des Zyklus wir uns befinden, und leiten daraus taktische Adjustierungen der Portfoliostruktur ab. Das Ergebnis sind keine radikalen Umschichtungen, sondern behutsame Anpassungen der Gewichtung innerhalb der vereinbarten Anlagerichtlinien.
