Marktzyklen
7. Juni 2026Inflation
7. Juni 2026Was ist der Leitzins?
Der Leitzins ist der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken kurzfristig Geld bei der Zentralbank leihen können – oder zu dem sie Geld bei der Zentralbank parken. Er ist das wichtigste geldpolitische Instrument einer Zentralbank und beeinflusst maßgeblich das gesamte Zinsniveau einer Volkswirtschaft: Steigt der Leitzins, steigen tendenziell alle anderen Zinsen – Kreditzinsen, Hypothekenzinsen, Unternehmensanleihen. Sinkt der Leitzins, folgen die anderen Zinsen abwärts.
Wer setzt den Leitzins?
In der Eurozone setzt die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins – genauer: drei Leitzinssätze (Einlagefazilität, Hauptrefinanzierungssatz, Spitzenrefinanzierungsfazilität). Die US-amerikanische Federal Reserve (Fed) setzt die Federal Funds Rate. Beide Zentralbanken haben ein primäres Mandat: Preisstabilität (EZB: Inflation nahe 2 %) oder duales Mandat (Fed: Preisstabilität und maximale Beschäftigung). Die Leitzinsentscheidungen haben globale Kapitalmarktauswirkungen.
Wie beeinflusst der Leitzins die Kapitalmärkte?
- Anleihen: Steigende Leitzinsen drücken Anleihepreise (inverse Beziehung). Fallende Leitzinsen treiben Anleihepreise.
- Aktien: Steigende Zinsen erhöhen den Diskontierungssatz – das senkt den Gegenwartswert zukünftiger Gewinne. Besonders wachstumsstarke Technologieaktien mit hohen zukünftigen Gewinnen sind zinssensitiv.
- Geldmarkt: Steigende Leitzinsen machen Geldmarktanlagen attraktiver – Kapital fließt aus risikoreichen Assets in sichere Kurzläufer.
- Immobilien: Steigende Zinsen erhöhen Finanzierungskosten und dämpfen Immobilienpreise.
- Währungen: Höhere Zinsen machen eine Währung attraktiver für internationale Anleger – tendenziell Aufwertungsdruck.
Die Zinswende 2022–2024
Die schnellste Zinserhöhungsrunde seit Jahrzehnten – EZB und Fed erhöhten die Leitzinsen in kurzer Zeit drastisch, um die Inflation zu bekämpfen – hat die Kapitalmärkte stark beeinflusst: Anleihen verloren erheblich an Wert (der größte Rückgang in der modernen Anleihengeschichte), Aktien korrigierten (vor allem Technologie), Geldmarktfonds wurden plötzlich attraktiv. Das Zinsumfeld bleibt ein zentrales Thema für die strategische Asset Allocation.
Das Zinsniveau ist für HPM ein zentraler Faktor in der strategischen und taktischen Asset Allocation. In der Niedrigzinsphase haben wir für unsere Mandanten alternative Renditequellen erschlossen; mit der Zinswende konnten wir attraktive Anleiherenditen für konservative Mandate nutzen. Das Kapitalmarktumfeld erfordert kontinuierliche Anpassung – genau das ist die Aufgabe aktiver Vermögensverwaltung.
