Marktkapitalisierung
7. Juni 2026Dividende
7. Juni 2026Was ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis?
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) – englisch: Price-to-Earnings Ratio, kurz P/E oder PE – ist die meistverwendete Bewertungskennzahl für Aktien und Aktienmärkte. Es setzt den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie (Earnings per Share, EPS) und zeigt, das Wievielfache des Jahresgewinns ein Anleger für eine Aktie bezahlt. Ein KGV von 15 bedeutet: Anleger zahlen das 15-Fache des Jahresgewinns – oder anders ausgedrückt: Bei konstanten Gewinnen würde es 15 Jahre dauern, bis der Kaufpreis durch Gewinne „verdient“ ist.
Wie wird das KGV berechnet?
KGV = Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie. Dabei kann der Gewinn je Aktie auf verschiedene Arten definiert werden:
- Trailing KGV: Verwendet den tatsächlichen Gewinn der letzten 12 Monate – historisch, aber verlässlich
- Forward KGV: Verwendet den von Analysten erwarteten Gewinn der nächsten 12 Monate – zukunftsorientiert, aber unsicher
- Shiller-KGV (CAPE): Verwendet den inflationsbereinigten Durchschnittsgewinn der letzten 10 Jahre – glättet Zyklen und ist besonders für Marktbewertungsvergleiche geeignet
Was sagt ein hohes oder niedriges KGV aus?
Ein hohes KGV kann auf hohe Wachstumserwartungen hindeuten: Anleger zahlen eine Prämie für zukünftige Gewinne, die noch nicht realisiert wurden. Es kann aber auch eine Überbewertung signalisieren. Ein niedriges KGV kann eine günstige Bewertungsgelegenheit anzeigen – oder es spiegelt strukturelle Probleme wider, die den Markt berechtigt vorsichtig machen. Das KGV allein ist deshalb nie ausreichend – es muss immer im Branchenkontext, im Zeitvergleich und im Zusammenhang mit Wachstumserwartungen interpretiert werden.
KGV auf Marktebene
Das KGV wird nicht nur für einzelne Aktien, sondern auch für gesamte Märkte berechnet. Das Shiller-KGV des S&P 500 liegt historisch im Durchschnitt bei etwa 17; Werte über 30 signalisierten in der Vergangenheit oft überhöhte Bewertungen. Für den deutschen Markt (DAX) liegt der historische Durchschnitt bei ca. 15. Solche Marktbewertungskennzahlen sind nützliche Indikatoren, aber schlechte Timing-Instrumente – märkte können lange über- oder unterbewertet sein.
Im HPM-Kapitalmarktbericht kommentieren wir regelmäßig die Bewertungsniveaus der wichtigsten Märkte anhand von KGV und Shiller-KGV. Hohe Bewertungen sind für uns ein Signal zur Vorsicht – nicht zur sofortigen Umschichtung. Langfristig orientierte Anleger sollten Bewertungen kennen, sich aber nicht von kurzfristigen KGV-Niveaus zu übereilten Entscheidungen verleiten lassen.
